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Birnbaumprachtkäfer – Achtung, unter Schutz
Sie bekommen von Ihren Kunden häufig Fragen gestellt, die Sie aus dem Effeff beantworten sollten. In dieser Serie gibt Ihnen campos dafür die wichtigsten Infos und Tipps.
Die meisten der 120 in Mitteleuropa
auftretenden Prachtkäferarten
sind Wärme liebend. So verwundert
es nicht, dass bei einem Klimawandel
solche Arten auch in Deutschland
Bedeutung erlangen. Der Birnbaumprachtkäfer
(Agrilus sinuatus),
kann an Birnbäumen, aber auch an
Weißdorn und Sorbus-Arten als
Schädling auftreten. Problematisch
ist die Larve, die im Rinden- und
Holzbereich als Minierer frisst.
Der schlanke Käfer (8 mm) ist
meist metallisch grün bis kupferfarben.
Er tritt etwa ab Juni auf und
frisst an den Blättern, beginnend
vom Rand her (Reifungsfraß). Auf
der sonnenzugewandten Seite der
Rinde werden die etwa 1 mm kleinen
Eier in Rindenritzen und
Wundstellen von Stamm und dickeren
Ästen abgelegt. Die Junglarven
bohren sich rasch in die Rinde ein.
Die flache, fußlose Larve ist hell gefärbt,
stark segmentiert und im vorderen
Brustbereich deutlich breiter
geformt. Das Hinterleibsende weist,
wie bei allen Agrilus-Arten, zwei
verhärtete, feine Spitzen auf.
Die zu Beginn meist abwärts gerichteten
Gänge (spätere Gesamtlänge
bis zu 1 m) sind in charakteristischer
Weise zickzackförmig
ausgebildet („Blitzwurm“). Durch
die Unterbrechung der Leitungsbahnen
im Stamm oder der Seitenäste
wird die Pflanze geschädigt
(„Ringelwurm“). Die Entwicklung
der bis zu 2,5 cm großen Larven
dauert im Regelfall zwei Jahre. Im
Alter ist der Gangverlauf weniger
eckig, auch drehen sich die Larven
teilweise um und die Gänge verlaufen
dann im äußeren Holzbereich.
Der Schlupf erfolgt in einer Puppenwiege
am Ende des Gangs, meist tiefer
im Kernholz. Die spätere Ausschlupföffnung
selbst ist deutlich
D-förmig (halbmondförmig) und
gut erkennbar. Ein Befall zeigt sich
mit eher unspezifischen Symptomen
wie einer verfrühten herbstlichen
Laubfärbung, eingesunkenen
Rindenpartien oder einem Absterben
von einzelnen Astpartien oder
ganzer Bäume.
Der Birnbaumprachtkäfer ist
kein Primärschädling wie etwa der
Asiatische Laubholzbockkäfer. Er ist
ein Gelegenheitsschädling, der nur
an geschwächten Bäumen für größere
Ausfälle verantwortlich sein
kann. Förderlich sind Jahre mit warmen
Sommern (hohe Juni-Temperaturen),
eine mangelnde Bewässerung
frisch gepflanzter Bäume sowie
unbeschattete Standorte, die
eine starke Besonnung von Stamm,
Ästen und Trieben ermöglichen
(Plätze bevorzugter Eiablage).
Eine Bekämpfung der Larven in
Ästen und Trieben mit Insektiziden
ist nicht möglich. Während ein Befall
des Stamms an Jungbäumen oft
zum Absterben führt, werden bei
älteren Bäumen meist nur einzelne
Äste geschädigt, die dann rechtzeitig
vor dem Schlupf der Käfer ausgeschnitten
werden müssen. Im Falle
von geplanten Rodungen oder Bekämpfungsmaßnahmen
sollte stets
vorher (!) die Untere Naturschutzbehörde
kontaktiert werden, da der
Birnbaumprachtkäfer eine besonders
geschützte Art ist.
Text und Bild: Thomas Lohrer
Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan
(FGW) an der Hochschule
Weihenstephan-Triesdorf (HSWT)
