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Gefahr aus dem Falllaub: Platanenminiermotte
Sie bekommen von Ihren Kunden häufig Fragen gestellt, die Sie aus dem Effeff beantworten sollten. In dieser Serie gibt Ihnen campos dafür die wichtigsten Infos und Tipps.
Neben der bekannten Miniermotte
der Kastanie (Cameraria ohridella)
gibt es andere Vertreter aus der
Familie der Miniermotten. Sie kommen
an anderen Wirtspflanzen vor.
Ein Beispiel hierfür ist die ausschließlich
an Platanen vorkommende
Platanenminiermotte (Phyllonorycter
platani). Erstmals im
Jahre 1870 in Norditalien beschrieben,
hat sich die Art mittlerweile
über weite Teile von Europa (mit
Ausnahme des nördlichen Nordeuropas)
ausgebreitet.
Der Falter bildet bei uns und im
nördlichen Europa meist zwei Generationen
aus, wobei die Flugzeiten
etwa im Mai und August liegen. Im
Süden von Europa werden bis zu
vier Generationen ausgebildet. Die
Falter sind etwa 8 mm groß. Die
Vorderflügel besitzen eine goldbraune
Grundfarbe mit einzelnen, hellen,
länglichen Flecken, die dunkel umrandet
sind. Am Kopfbereich sowie
an den Flügelenden fällt ein faseriger
Kamm von Haarbüscheln auf.
Die Puppe überwintert in der
Mine im Falllaub. Die Falter der ersten
Generation, die aus den überwinternden
Puppen schlüpfen, legen
im Frühjahr ihre Eier an der Blattunterseite
bevorzugt im unteren
Kronenbereich ab. Die zweite Generation
im Sommer besiedelt häufiger
schon höher gelegene Astpartien.
Die schlüpfenden Raupen bilden
auf der Blattunterseite Platzminen,
die deutlich zu erkennen sind. Die
Minen sind etwa 2 bis 3 cm groß
und erscheinen als helle, gelbbraune
Blattflecken. Die Blattminen der
zweiten oder auch nachfolgenden
Generation sind deutlich größer, da
die Nährstoffdichte des Blatts
schwächer wird und die Raupen
deutlich mehr Gewebe fressen müssen,
um ihre Ernährung zu sichern.
Pro Blatt werden nicht selten bis zu
zehn Minen ausgebildet, in extremen
Fällen können sogar bis zu 100
auftreten.
Die Raupen fressen als Blattminierer
das innere Blattgewebe (Parenchymgewebe),
sodass nur noch
die äußeren Blattschichten stehen
bleiben. Die Faltung der Minen wird
durch Gespinstfäden verursacht,
welche von den Raupen an verschiedenen
Stellen der Minendecke befestigt
werden. Auf der Blattoberseite
zeigen sich nur kleinere, vergleichsweise
unscheinbare Sprenkel,
also die von der Larve gefressenen
„Sichtfenster“. Bei nur flüchtiger
Betrachtung besteht eine Verwechslungsgefahr
mit der Platanenblattbräune
(Pilz), die allerdings oft auch
gemeinsam mit der Miniermotte
vorkommt. Hält man jedoch ein befallenes
Blatt gegen das Licht, lassen
sich die Minen deutlich erkennen.
Mit einer Lupe sind auch dunkle
Kotkrümel im Inneren sichtbar. Minen
mit einem Loch weisen darauf
hin, dass die Falter bereits geschlüpft
sind.
Die unmittelbare Beeinträchtigung
der Pflanze ist gering. Spritzungen
sind nicht erforderlich. Im
öffentlichen Grün wie im Privatgarten
lässt sich – ähnlich wie bei der
Kastanienminiermotte – durch das
Entfernen des Herbstlaubs der Befall
im nächsten Jahr meist erheblich
reduzieren.
Text und Bild: Thomas Lohrer,
Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan
(FGW) an der Hochschule
Weihenstephan-Triesdorf (HSWT)
