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Hallimasch – Freud und Leid
Sie bekommen von Ihren Kunden häufig Fragen gestellt, die Sie aus dem Effeff beantworten sollten. In dieser Serie gibt Ihnen campos dafür die wichtigsten Infos und Tipps.
Der Hallimasch kann ein sehr ergiebiger
Speisepilz sein. Er wurde
früher zur Behandlung von Hämorrhoiden
eingesetzt, außerdem hat er
ungekocht eine abführende Wirkung.
Daher kommt wohl der Name
(„heil im Ar ...“). Auf der anderen
Seite ist der Pilz ein aggressiver
Baumschädling, der nahezu alle
Laub- und Nadelgehölze, einschließlich
vieler Obstarten, befällt. Er tritt
weniger an Straßenbäumen, sondern
eher in wald- und parkähnlichen
Beständen oder in Gärten auf.
Beim Hallimasch handelt es sich
nicht um nur eine Art, wie früher
vermutet, sondern um etwa acht. Sie
unterscheiden sich wesentlich in ihrer
geografischen und ökologischen
Verbreitung, in ihrer Wirtsspezifität
und in ihrer Schadwirkung. Gefährlich
sind besonders die beiden Arten
Armillaria mellea (Honiggelber Hallimasch)
und A. ostoyae (Dunkler
Hallimasch). Die Fruchtkörper erscheinen
meist im Herbst, oft in
Gruppen direkt am Stammfuß, aber
auch am Stamm des bereits abgestorbenen
Baums. Der Stiel ist bei
beiden Arten beringt, der Hut rötlichbraun,
5 bis 15 cm groß und geschuppt.
Die weißlichen Sporen zeigen
sich an liegendem Holz im Umfeld
als dichter Belag recht deutlich.
Gesunde, vitale Bäume greift der
Hallimasch grundsätzlich nicht an.
Er befällt durch Staunässe, Trockenheit,
Nährstoffmangel oder Schädlingsbefall
gestresste und geschwächte
Pflanzen. Im übertragenen Sinne
kann der Hallimasch als der Borkenkäfer
unter den Pilzen angesehen
werden. Der Pilz dringt über
Wunden oder auch über die Rinde
der Wurzeln aktiv ein. Er wächst im
kambialen Bereich zwischen Rinde
und Holz weiter und tötet dort das
Gewebe ab, daher auch die Bezeichnung
Kambiumkiller. Eine andere
Möglichkeit ist der Befall des Kerns,
wo er eine Weißfäule verursacht,
was zu Bruchgefährdung führt. Die
Bäume können nach kurzer Zeit,
aber auch oft erst nach mehreren
Jahren absterben. Weitere Schadbilder
sind Welkeerscheinungen und
Kümmerwuchs sowie bei Koniferen
Harzaustritt an der Stammbasis.
Neben den auffälligen Fruchtkörpern
zeigt der Pilz zwei weitere
für die Diagnose – auch vor Ort
beim Kunden – nutzbare Pilzstrukturen.
Löst man frisch befallene
Rindenpartien ab, kommt ein weißes,
flächiges Myzel zum Vorschein.
Das andere Erscheinungsbild sind
die Rhizomorphen, praktisch mit
Schnürsenkeln vergleichbare Stränge
(dunkelbraun, bis zu 3 mm dick,
kreisförmiger Querschnitt). Diese
Strukturen finden sich ganzjährig
im Wurzel- und damit Bodenbereich
und an älteren Befallsstellen
am Stamm wieder (Bild).
Da der Pilz meist nur geschwächte
Bäume infiziert, sind alle krankheitsfördernden
Faktoren zu vermeiden
oder dahingehend zu prüfen
(Standort, Düngung, Schädlingsbefall,
Beschädigung der Wurzeln).
Die Bekämpfung des Pilzes ist
nicht möglich; Pflanzenschutzmittel
stehen nicht zur Verfügung. Befallene
Pflanzen sollten samt den
Wurzeln gerodet werden, um eine
Infektion der Nachbarbäume zu
vermeiden. An im Boden verbleibenden
Stubben kann sich der Pilz
jahrelang halten.
Text und Bild: Thomas Lohrer,
Forschungsanstalt für Gartenbau
Weihen stephan (FGW) an der
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
(HSWT)
