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Knoppern – kein Frühstückchen

Sie bekommen von Ihren Kunden häufig Fragen gestellt, die Sie aus dem Effeff beantworten sollten. In dieser Serie gibt Ihnen campos dafür die wichtigsten Infos und Tipps.

Einige Schadbilder an Gehölzen bedürfen zur Diagnose nur eine gute Abbildung, weiter nichts. Ein Beispiel hierfür ist das Schadbild der Knopperngallwespe (Andricus quercuscalicis), die an den Eicheln der Stiel-Eiche Quercus robur ein auffälliges und charakteristisches Schadbild hervorruft, die Knoppern (Gallen). Diese Gallwespenart vollzieht innerhalb eines Jahres einen Wirtswechsel. Wirte sind die Zerr-Eiche ( Quercus cerris ) und die Stiel-Eiche. Im zeitigen Frühjahr legen die frisch geschlüpften, nur wenige Millimeter großen Weibchen in die Blütenknospen (konkret: Staubbeutel) der Zerr-Eiche ihre unbefruchteten Eier. Hier entwickeln sich daraufhin kleine, unscheinbare Blütengallen, aus denen etwa im Mai Geschlechtstiere (Männchen, Weibchen) schlüpfen. Das Weibchen legt nach der Paarung ihre Eier dann zwischen Frucht und den Fruchtbecher der Stiel-Eiche. Die sich entwickelnde Galle („Knoppern“) ist zu Beginn noch deutlich grün gefärbt, trägt auffällige, meist 5 bis 7 Längskiele und ist klebrig überzogen. Zum Herbst färbt sich die Galle braun und fällt ab. Im Innern dieser recht harten Außengalle findet sich (erkennbar nach einem Anschnitt) eine etwa 5 mm große, etwa erbsenförmige lockere Innengalle, in der sich die Gallwespe entwickelt. Zum Frühjahr verlässt die erwachsene, geflügelte Gallwespe ihre Galle, auf der Suche nach einer im weiteren Umfeld stehenden Zerr-Eiche. Aufgrund des Wirtswechsels ist das Insekt an das gemeinsame Vorkommen von Zerr-Eiche und Stiel- Eiche gebunden. Deshalb sind die auffälligen Schadsymptome an der Stiel-Eiche häufig in oder in der Nähe von botanischen Gärten oder anderen Pflanzensammlungen zu sehen, die auch beide Arten im Bestand haben. Knoppern werden jedoch auch gefunden, ohne dass Zerr-Eichen vorhanden sind. Offenbar besteht die Möglichkeit, dass sich die Gallwespe allein ungeschlechtlich vermehrt. Die Zahl an Knoppern je Baum kann sehr hoch sein. Je nach Baumgröße können leicht mehrere Hundert solcher Knoppern herunterfallen. Der Baum wird nicht direkt geschädigt, aber Eicheln eignen sich nicht oder nur eingeschränkt als Saatgut. Eine chemische Bekämpfung ist nicht erforderlich. Sinnvoll ist das Absammeln der am Boden liegenden Knoppern, um so einen Schlupf und die weitere Ausbreitung der Gallwespen im nächsten Jahr zu verhindern. Auch benachbarte Bäume sollten hier mit in die Maßnahmen eingebunden werden. Aufgrund des hohen Gerbstoffanteils der Knoppern bis zu 30 % wurden diese früher zur Gerberei und Färberei verwendet. Sie stellten, beispielsweise in Österreich, einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Auf der Videoplattform Youtube findet sich bei Eingabe der Suchbegriffe „knopper bbc“ als erster Treffer ein fünfminütiges, sehr empfehlenswertes BBC-Video von David Attenborough mit bemerkenswerten Aufnahmen, teils im Zeitraffer, zur Entwicklung dieser Gallwespe an Eiche.

Text und Bild: Thomas Lohrer Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan (FGW) an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT)


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