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Schwächeparasit Rotpustelpilz

Sie bekommen von Ihren Kunden häufig Fragen gestellt, die Sie aus dem Effeff beantworten sollten. In dieser Serie gibt Ihnen campos dafür die wichtigsten Infos und Tipps.

Die Rotpustelkrankheit (Nectria cinnabarina) tritt bevorzugt an Laubgehölzen in Parkanlagen, im Straßenbegleitgrün, in Privatgärten oder in Baumschulen auf. Der Pilz wurde erstmals bereits 1791 beschrieben. Zunächst galt er als reiner Saprophyt, der als Totholzzersetzer eine (allein) ökologische Bedeutung besaß. Ende des 19. Jahrhunderts wurde sein pathogener Charakter in Versuchen bestätigt. Der Pilz gilt als fakultativ parasitisch. Pflanzen schwächende Faktoren sind Wegbereiter für die Infektion und Krankheitsentwicklung („Schwächeparasit“). Gefährdet sind besonders junge Gehölze, die nach dem Pflanzen kurzzeitig unter Wassermangel gelitten haben. Schnittwunden, wie sie beim Aufasten von Hochstämmen oder beim Heckenschneiden auftreten, oder andere mechanische Verletzungen (Frostrisse im Stammbereich) sind bevorzugte Eintrittsorte für den Pilz. Aber auch über zurückgetrocknetes Gewebe (beispielsweise bei Aststummel) kann der Pilz in die Pflanze eindringen. Wichtige Wirtspflanzen sind die Gattungen Acer, Aesculus, Carpinus, Fagus, Fraxinus, Malus, Prunus, Ribes, Tilia und Ulmus. Als besonders empfindlich gelten Ahornarten. Der Pilz entwickelt sich vollständig im Holzinnern, die Fruchtkörper zeigen sich erst außerhalb der abgestorbenen Triebe. Charakteristisch sind die beiden lachsrosa und dunkelrot gefärbten Fruchtkörper (Sporodochium und Perithecium), die der Pilz auf den abgestorbenen Befallsstellen oft in großer Zahl ausbildet. Die Sporodochien sind mit einer Größe von durchschnittlich 1 mm deutlich größer als die Perithecien mit etwa 0,5 mm, wobei letztere oft in Haufen zu mehreren, dicht gedrängt, auftreten. Infektionen sind grundsätzlich ganzjährig möglich. Der Pilz lässt sich nur vorbeugend bekämpfen, eine Fungizidbehandlung ist kaum wirksam.

Folgende Maßnahmen sind sinnvoll:

  • erhöhte Krankheitsanfälligkeit der Pflanze vermeiden
  • keine überhöhte Stickstoffdüngung
  • befallenes Schnittgut und anderes befallenes Material entfernen
  • Schnitt grundsätzlich bei geringem Infektionsdruck (September) und bei schlechten Infektionsbedingungen (trockenes Wetter)
  • Wundverschluss ist zu empfehlen.

Nach neuesten molekularbiologischen Erkenntnissen (2011) existieren neben Nectria cinnabarina auch N. dematiosa, N. nigrescens und N. asiatica, wobei letztere Art nur im asiatischen Raum auftritt. Zur Pathogenität und zum Wirtspflanzenkreis der genannten Pilze können zurzeit keine gesicherten Angaben gemacht werden.

Text und Bild: Thomas Lohrer Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan (FGW) an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT)


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